#FutureFriday mit Debitos: „Wie Ebay, nur für Banken und Unternehmen“

10. Aug 2018

#FutureFriday mit Debitos: „Wie Ebay, nur für Banken und Unternehmen“

In unserer „Future Friday“-Serie stellen wir regelmäßig Start-ups vor, die mit ihren Ideen die Zukunft verändern wollen. Heute haben wir mit Timur Peters, Managing Director der Debitos GmbH gesprochen. Das Frankfurter Start-up bietet einen Onlinemarktplatz zum Handeln von Krediten und Forderungen an.

Titel: Timur Peters

1. Kurz und knapp: Was macht Debitos?

Debitos muss man sich wie Ebay für Banken und Unternehmen vorstellen. Auf unserem Onlinemarktplatz kann man Forderungen und Kredite ersteigern. Mehr als 500 Investoren aus 14 Ländern sind mittlerweile registriert. Seit 2013 sind Forderungen mit einem Nominalwert von 4,5 Mrd. € über den Tisch gegangen. Die Plattform bieten wir in Deutschland und im europäischen Ausland an.

2. Was an Debitos ist zukunftsweisend?

Ordnungsgemäß bediente und notleidende Kredite werden in erster Linie in bilateralen Geschäftsbeziehungen gehandelt. In der Regel ist dieser Markt Banken und Unternehmen erst ab einer bestimmten Handelsgröße zugänglich. Wir haben europaweit den ersten Marktplatz für diese Assets geschaffen. Schon ab 500.000 € kann man sie handeln, und zwar digital und transparent. Das Potenzial in Europa ist riesig: In der Euro-Zone sind aktuell Kredite im Wert von rund 1 Billion € ausgefallen, die für den Zweitmarkt interessant sind.

3. Wie funktioniert das genau?

Im ersten Schritt wird die Forderung einer Handelsklasse zugeordnet und der individualisierte Datenraum vorbereitet. Ein Algorithmus hilft uns dabei, aus den registrierten Profilen passende Investoren auszuwählen, die an der Auktion teilnehmen dürfen. Der Verkäufer lädt alle Informationen zum Kredit in den Datenraum, sodass sich die Investoren informieren können. Dann kann es mit der Versteigerung losgehen.

Die Struktur des Bieterverfahrens mit Auktion, Mindestpreis usw. erzeugt viel Spannung, was am Ende oft zu einem höheren Marktpreis führt. Dabei vergehen von der Vorbereitung bis zum finalen Verkauf nur wenige Wochen. Auf dem „klassischen“ Weg sind es Monate oder sogar Jahre. Darüber hinaus wird die Kluft zwischen Käufer und Verkäufer verringert und es ist eine höhere Anzahl an Transaktionen möglich.

4. Debitos ist ein in Frankfurt gegründetes und hier ansässiges Unternehmen – was schätzt du besonders an diesem Standort?

Der Finanzplatz Frankfurt ist für ein Fintech wie uns absolut ideal. Gerade am Anfang, wenn man in der Bankenwelt und bei Branchenvertretern Fuß fassen will. Die Wege sind kurz, alle relevanten Player – also Banken, Unternehmensberatungen – sind hier präsent. Das Ökosystem für Fintechs hat sich in den vergangenen Jahren stark verbessert. Gerade für Neugründungen haben das TechQuartier und die Folgeinitiativen hier einen Stein ins Rollen gebracht. Für viele Interessenten ist es jetzt einfacher, sich im Bereich Fintech selbständig zu machen.

5. Wie muss sich die Start-up-Region Frankfurt Rhein-Main deiner Meinung nach verändern, um noch mehr Start-ups und Investoren anzuziehen?

Die Aufmerksamkeit von Banken, Presse und Politik hat im Vergleich zu 2011 oder 2012 massiv zugenommen. Das ist natürlich positiv, aber es muss noch weitergehen, wenn man mittelfristig an Städte wie Berlin, Hamburg oder München herankommen will. Frankfurt hat gerade im Finanzbereich ein extrem großes Potenzial, das ist klar. Aber es fehlt den Fintechs vor allem an Kapital – hier gibt es ja so gut wie keine Venture Capital-Gesellschaften. Da sind andere Städte viel besser aufgestellt. Die Banken vor Ort öffnen sich zwar langsam aber sicher dem Thema Fintech, sind aber noch vorsichtig, was Beteiligungen oder Kooperationen angeht.

6. Wie hast du vor, zukünftig Talente für Debitos zu gewinnen und somit nach Frankfurt zu bringen?

Wir gehen verschiedene Wege: Stellenanzeigen, Headhunter, viel läuft aber mittlerweile über das Netzwerk, das wir uns in den vergangenen Jahren in der Fintech- und Bankenbranche aufgebaut haben. Auch hier kommt übrigens Bewegung in den Markt. Es ist noch nicht lange her, dass wir die meisten Fachkräfte nur mit hohen Gehältern oder Beteiligungen von den Banken weglocken konnten. Aber seit zwei Jahren haben Bankmitarbeiter ein großes Interesse, im Fintech-Umfeld zu arbeiten.

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