#FutureFriday mit Robin Buschmann, Founder und CEO von Giromatch

18. Mai 2018

#FutureFriday mit Robin Buschmann, Founder und CEO von Giromatch

Titel: Robin Buschmann

Könnt ihr uns einen kurzen Überblick über Giromatch geben?

Wir entwickeln für unsere Bankpartner die Zukunft des Kreditgeschäfts und helfen ihnen dabei, mit ihren Produkten digitaler und damit näher an ihr Kundenklientel heranzurücken.

Was an Giromatch ist zukunftsweisend?

In naher Zukunft wird beim Thema Kredit vor allem die Technologie der entscheidende Faktor bei der Kundenakquise sein, und nicht mehr wie viel ich an Marketingbudget ausgebe. Wer mit der richtig vernetzten Technologie als erster beim Kunden ist und diesem einen nutzerfreundlichen Prozess anbietet, wenn er Hilfe braucht, der wird sein Produkt in diesem Moment auch platzieren können. Dies kann sein, wenn der Kunde sich gerade on-line in ein neues E-Bike verliebt, eine Reise auf die Seychellen plant, beim Küchenhändler spontan die Luxusvariante präferiert oder seinen Hochzeitsgästen doch die Übernachtung im Hotel schenken möchte. Es geht vor allem darum, nicht zu warten, bis der Kunde nach einem Finanzprodukt sucht – dann habe ich den Kunden meistens schon an einen dritten Intermediär verloren. Hier kommt unsere API-Plattform, also eine Programmierschnittstelle, für Kreditlösungen ins Spiel. Wir helfen Banken dabei, ihr digitales Filialnetz aufzubauen und somit für den zukünftigen Wettbewerb gerüstet zu sein.

Banken kooperieren mit uns, da dieser Teil der Wertschöpfungskette nicht zu ihren Kernkompetenzen gehört, in Zukunft aber immer wichtiger wird. Im Großen und Ganzen geht es auch darum, Banken dabei zu unterstützen, ihre Innovationslücken im Vergleich zu den großen Technologiekonzernen zu schließen. Wir sind sozusagen das Schnellboot, welches neue Innovationen für die Banken agil umsetzt. Mit unserer API-Kreditplattform können wir das Innovationsmanagement der Banken außerhalb ihrer Kernbankensysteme signifikant beschleunigen und effizient prozessieren. Entscheidet sich einer unserer Bankpartner zum Beispiel dafür, einen neuen Digitalkredit auf seiner Website zu testen oder bei einem Händler zu integrieren, so kann die Bank die Lösung von uns in kürzester Zeit in ihrem gewünschten Design bekommen. Wir übernehmen außerdem das automatische Kunden-Onboarding. Dabei verdienen wir im laufenden Betrieb nur etwas, wenn die Bank erfolgreich einen Kunden akquiriert. Damit schaffen wir es, dass unsere Interessen 100-prozentig übereinstimmen, was für eine Fintech-Bank-Kooperation ein durchaus fruchtbares Fundament ist.

Wie funktioniert das genau?

Wir haben einen sehr einfachen Ansatz für die Kooperation mit Banken. Hierfür brauchen wir lediglich zwei Schnittstellen zur Bank. Die erste, damit uns die Bank sagt, ob sie einen bestimmten Kunden finanzieren möchte oder nicht. Die zweite dafür, dass wir ihr einen von diesem Kunden final unterzeichneten Kreditvertrag digital zur Verfügung stellen. Den gesamten Kundenakquise- und Onboarding-Prozess haben wir auf unserer API-Plattform automatisiert. Alle Informationen, die die Bank für eine Kreditentscheidung braucht, werden von uns in wenigen Sekunden digital und verifiziert bereitgestellt. Dazu zählen unter anderem auch der digitale Kontoblick oder die digitale Unterschrift. Der Kreditprozess kann dann an verschiedenen Schnittstellen, im Web-Shop, offline beim Händler oder sogar auch in der Filiale integriert werden.

Unsere API-Lösung ist besonders, weil wir die einzigen sind, die mit einer digitalen Kundenakte ein wirklich innovatives Element für die Vernetzung von verschiedenen Online- und Offline-Kontaktpunkten bieten. Dies ermöglicht unseren Bankkunden, ihr Kreditprodukt kanalübergreifend und maximal flexibel für ihre Endkunden anzubieten. Somit kann der Kunde seinen Kreditprozess auf dem Handy starten und zum Beispiel in der Filiale abschließen.

Giromatch ist ein in Frankfurt gegründetes und hier ansässiges Unternehmen – was schätzt ihr besonders an diesem Standort?

Wir fanden Frankfurt schon immer besonders, da sich hier auf engstem Raum eine Fülle an Banken, Finanzdienstleistern und das dazugehörige Ökosystem aus Regulierungsbehörden, Beratern und vielem mehr befindet. Genau das schafft einen enormen Vorteil für die hier ansässige Fintech-Szene, vor allem für jene mit starkem B2B-Fokus. Das macht den Standort hier im Herzen der Rhein-Main-Region so attraktiv. Außerdem denke ich, dass wir nur hier in der Lage sind, morgens im Büro den Tag zu starten, mittags mit Bankenvertretern über Kooperationsmöglichkeiten zu verhandeln und abends noch auf eine Veranstaltung im TechQuartier vorbeizuschauen – und all das mit dem Fahrrad.

Wie muss sich die Start-up-Region Frankfurt-Rhein-Main eurer Meinung nach verändern, um noch mehr Start-ups und Investoren anzuziehen?

Wir denken, dass das vor allem ein kulturelles Thema ist. Wenn in Berlin ein Start-up eine Housewarming-Party gibt, dann sind viele Investoren anwesend, egal ob sie investiert sind oder nicht. Dazu zählen auch viele ehemalige Gründer, die ihr Unternehmen erfolgreich verkauft haben. Hier in Frankfurt ist das noch nicht selbstverständlich geworden. Diese gefühlte Distanz zwischen Start-up und Investor muss verschwinden. Mit dem Deutsche Börse Venture Network oder dem TechQuartier sind hier aber schonmal die richtigen Rahmenbedingungen gesetzt. Durch die enge Verzahnung ergibt sich ein eigenes Ökosystem, was auf Außenstehende immer anziehend wirkt – wie in Berlin.

Wie habt ihr vor, zukünftig Talente für Giromatch zu gewinnen und somit nach Frankfurt zu bringen?

Recruiting ist neben dem Vertrieb die Königsdisziplin in einem Start-up. Viel Talent für wenig Geld lautet hier oftmals die Devise. Wir konkurrieren hier in Frankfurt mit vielen etablierten Größen, welche genau wie wir immer auf der Suche nach guten Talenten sind. Nur spielen diese mit etwas anderen Karten. Wir können mit einem einzigartigen Arbeitsumfeld, Freiraum für Kreativität und einer gemeinsamen Mission punkten. Oder eben mit Unternehmensanteilen, die sind aber endlich. Daher rekrutieren wir teilweise auch an Universitäten und Hochschulen. Ob wir tatsächlich Leute nach Frankfurt locken können, kann ich nicht sagen. Dies würde uns auch wieder in Konkurrenz mit anderen Start-up-Regionen setzen. Ich denke, in der Region Rhein-Main finden sich genügend Talente. Dieses Potenzial müssen wir ausschöpfen und zu einem Teil der Start-up-Szene machen.

Wie könnte eurer Meinung nach die Kooperation zwischen Jungunternehmen weiter gefördert werden?

Wir denken es fehlt ein Start-up-Zentrum für Unternehmen, die über den Punkt des MVP, also des Minimum Viable Product, hinausgewachsen sind. Es gibt viele Co-Working-Büros, doch die sind für Teams von maximal fünf Personen praktikabel. Danach wird es schwierig, weil IT und Vertrieb unterschiedliche Büros und Meetingräume brauchen und spätestens bei regelmäßigem Kundenkontakt getrennte Bereiche benötigt werden. So sucht sich jedes Unternehmen relativ schnell seinen eigenen Büroraum. Dies verhindert natürlich den permanenten Austausch zwischen den Start-ups.

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