„Norwegische Unternehmen werden von Beginn an global aufgestellt“

03. Nov 2017

„Norwegische Unternehmen werden von Beginn an global aufgestellt“Interview mit DiggEcard, dem ersten norwegischen Start-up im Deutsche Börse Venture Network

Titel: DiggEcard

DiggEcard ist eine Plattform für digitale Geschenkgutscheine. Wir sprechen mit Olav Balandin (CEO), Kristian Stølen (CSO/CRO) und Arvid Torset (CTO) über den Markt für Geschenkgutscheine, die norwegische Start-up-Szene und darüber, warum eine Mitgliedschaft im Deutsche Börse Venture Network ein logischer Schritt ist.

Warum sollte sich jemand für anonyme und digitale Geschenkgutscheine anstatt traditioneller Karten zum Anfassen entscheiden?

Olav: DiggEcard ist auf keinen Fall anonym. Normalerweise ist ein Gutschein eine Ausrede dafür, dass man nicht das richtige Geschenk gefunden hat. Mit mobiler Technologie ändern wir das. Auf einer einzigen Plattform kann man aus mehr als 150 Geschenkgutscheinen auswählen, die für ca. 2.000 Shops, Restaurants, Unterhaltungsdienste und Aktivitäten genutzt werden können. Außerdem ist es möglich, eine Text- oder Videonachricht anzuhängen: ganz persönlich, auch über große Distanzen. Ein weiterer Vorteil ist, dass man Einkäufe von überall und jederzeit tätigen kann. Der Einkaufsprozess läuft deutlich schneller und bequemer ab als zuvor.

Arvid: Auch für Einzelhändler ist das vorteilhaft, da sie keine Kosten für die Produktion und den Versand der Karten tragen müssen. Mit der White-Label-Lösung können Unternehmen ihr Produkt personalisieren. Zusätzlich generiert unsere Plattform automatisch Reportings und Dokumentation, was besonders für große Einzelhandelsketten sehr hilfreich ist.

Sie sind ansässig in Bergen, Norwegen. Was ist das Besondere an der norwegischen Start-up-Szene?

Kristian: In Norwegen spielten für lange Zeit eher traditionelle Geschäftsfelder eine Rolle, u. a. Schifffahrt, Öl und Fischzucht. Daher gab es kaum Bereitschaft, in Tech-Unternehmen zu investieren. In den letzten Jahren hat sich dies dramatisch verändert. Die Fintech-Szene ist still und leise, aber mit einer enormen Geschwindigkeit gewachsen, was international viel Aufmerksamkeit erregt hat.

Olav: Norwegen ist ziemlich klein. Obwohl dies im ersten Moment eher ein Nachteil zu sein scheint, ist es für uns sogar ein enormer Vorteil. Da der heimische Markt nicht genügend Möglichkeiten bietet und die Verfügbarkeit von Venture Capital begrenzt ist, werden norwegische Unternehmen von Beginn an global aufgestellt – ein Schritt, den wir sehr frühphasig für unser Unternehmen geplant haben. Normalerweise warten Start-ups länger und möchten erst einmal im heimischen Markt erfolgreich werden. Wir haben Norwegen als Testmarkt genutzt und positionieren uns nun international.

Hat diese Testphase Ihnen dabei geholfen, die globale Einführung vorzubereiten?

Olav: Während der Pilotphase in Norwegen haben wir viele Optionen getestet, um das passende Produkt für den Markt zu entwickeln und um die Technologie zu verbessern. Ab November wird DiggEcard für 50 große Marken in Großbritannien verfügbar sein. Als nächsten Schritt werden wir auch in andere europäische Länder expandieren. Unsere App benötigt lediglich einen App Store, es geht daher weniger darum, was möglich ist, sondern eher darum, was strategisch klug ist.

Arvid: Wir haben gemerkt, dass Unternehmen sehr an unserer White-Label-Lösung interessiert sind. Für sie ist das Produkt attraktiv, da es ihnen ermöglicht, Geschenkgutscheine mit eigenem Design und Branding anzubieten. Normalerweise haben große Unternehmen bereits ihre eigene Lösung. Um ihre Bedürfnisse zu erfüllen, haben wir Plug-ins entwickelt, welche die Unternehmen auf ihren eigenen Plattformen nutzen können. Mit dieser Lösung können sie Features auswählen, die sie bei sich vermissen, und erhalten so ihr eigenes maßgeschneidertes Produkt.

Warum das Deutsche Börse Venture Network?

Kristian: Um in Europa zu wachsen, wollten wir Kontakte in London und in Frankfurt knüpfen. Es ist schwierig, in Norwegen an Venture Capital zu gelangen, da die Start-up-Szene sehr klein ist. Das Deutsche Börse Venture Network bietet uns die optimale Möglichkeit, Investoren und andere Start-ups zu treffen und Verbindungen zu stärken.

Wer sind die Lead-Investoren bei DiggEcard?

Olav: Ein großer Investmentfond, mehrere Business Angels und wir als Gründer haben auch in DiggEcard investiert. Wir haben bereits eine Finanzierungsrunde abgeschlossen und möchten im nächsten Frühjahr weitere 1–2 Mio. US$ einsammeln.

Was ist das langfristige Ziel Ihres Start-ups?

Olav: Wir sind bereits die Nummer eins im Markt für digitale Geschenkgutscheine, haben so gesehen also bereits unser Ziel erreicht. In fünf Jahren möchten wir weltweit expandieren – über Europa hinaus. Der Markt wächst enorm und um es zusammenzufassen: Wir möchten der bevorzugte Partner für digitale Geschenkgutscheine sein.

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