Studie von der Deutschen Börse und EY vergleicht globale Start-up-Landschaften

07. Jun 2017

Studie von der Deutschen Börse und EY vergleicht globale Start-up-Landschaften

In Großbritannien sind über 600 Acceleratoren und Inkubatoren aktiv, in Kalifornien werden 65 Start-ups mit über 1 Mrd. US$ – sog. Einhörner – bewertet und in Israel gibt es sogar eine eigene staatliche Innovationsbehörde. Wenn man die Start-up-Szene in Deutschland mit denen anderer Industrieländer vergleicht, fallen oft gravierende Unterschiede auf.

Genau diesen Vergleich haben Ernst & Young und die Gruppe Deutsche Börse in einer gemeinsamen Studie nun detailliert gezogen: Dabei wurde die Start-up-Landschaft in vier verschiedenen Regionen verglichen, nämlich in Deutschland, Israel, dem Vereinigten Königreich und Kalifornien (USA). Das Ergebnis: Deutschland hat in einzelnen Bereichen große Fortschritte erzielt. Allerdings hat das Start-up-Ökosystem in Deutschland weiter Potenzial für Wachstum und liegt im globalen Vergleich zurück.

Eric Leupold, Leiter Pre-IPO & Capital Markets bei der Deutschen Börse, sagt: „Wir müssen den Gründergeist in Deutschland stärken, indem wir Gründer ermutigen, mit ihren Ideen auch mal zu scheitern. Diese Erfahrungen sehen Investoren als sehr wertvoll an.“ Ein weiterer Knackpunkt ist für Leupold der fehlende Zugang zu ausreichend Kapital: „Wenn Start-ups aus Deutschland abwandern, dann liegt das oft daran, weil sie an anderen Standorten bessere Finanzierungsmöglichkeiten vorfinden. Unternehmen, Politik und Universitäten müssen Hand in Hand agieren, wenn wir Deutschland für Start-ups attraktiver machen wollen. Einzelne Initiativen durch die Privatwirtschaft oder durch Bildungseinrichtungen genügen nicht, um international ganz vorne mitzuspielen.“

Die Analyse geht über die reine Bestandsaufnahme hinaus und liefert konkrete Handlungsempfehlungen, die sich insbesondere an den Gesetzgeber und das deutsche Unternehmertum richten. Die fünf wichtigsten Vorschläge, die sich im Vergleich mit den international erfolgreichsten Start-up-Szenen ergeben haben, sind hier zusammengefasst:

  1. Start-up-Infrastruktur verbessern:

    Auch, wenn in Deutschland die Preise für Büroräume und die Leerstandquote im internationalen Vergleich vorteilhaft sind, gibt es noch Nachholbedarf, um die Position des „Klassenbesten“ zu erreichen. Es sollten weitere Co-Working-Büroräume und Existenzgründungszentren eingerichtet werden. Dadurch könnten nicht nur Platzprobleme gelöst, sondern gleichzeitig auch Hotspots für alle Finanzierungs- und Gründungsfragen errichtet werden.

  2. Investoren unterstützen:

    Der Gesetzgeber könnte auf der einen Seite einen „Angel Co-Fonds“ einrichten, einen staatlichen Fonds, der in der Frühphase der Start-up-Existenz zusätzlich zu Business Angels Investitionen zusagt, um Geschäftsideen mit hohem Potenzial zu fördern. Auf der anderen Seite sollte ein „Risikokapital-Katalysator-Fonds“ eingeführt werden, der Fonds unterstützt, die hauptsächlich in Risikokapital investieren. Der Katalysator-Fonds würde anderen Risikokapital-Fonds helfen, zu wachsen und sich am Markt zu etablieren.

  3. Private Initiativen stärken:

    Was in Deutschland im Vergleich zu anderen Start-up-Szenen fehlt, ist eine Plattform für die effiziente Zusammenarbeit zwischen multinationalen Unternehmen und Wachstumsfirmen. Die Regierung sollte einen Rahmen schaffen, der die Bedingungen der Zusammenarbeit definiert.

  4. Steuervorschriften überarbeiten:

    Das deutsche Steuersystem sieht keine Sonderbehandlung für Start-ups vor. Das macht die Gründung und schnelles Wachstum schwer. Es ist zu überlegen, inwieweit für Start-ups zielgerichtet Steuererleichterungen etabliert werden können, etwa bei Tätigkeiten im Bereich Forschung & Entwicklung, bei der Handhabung von Verlustvorträgen nach einer Übernahme, bei den Gründungskosten, bei der Investorenbesteuerung etc.

  5. Bürokratieabbau für Start-ups:

    Hier lohnt sich ein Blick in das Vereinigte Königreich: Dort bietet eine sog. Sandbox (also ein isolierter Testbereich) ein Umfeld, in dem Fintechs innovative Geschäftsmodelle testen können, ohne sofort alle regulatorischen Anforderungen erfüllen zu müssen. Außerdem sollten die Kapitalanforderungen für die Unternehmensgründung und Datenschutzregelungen überdacht und angepasst werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen: In Deutschland ist zu prüfen, welche der aus den anderen Ländern bekannte Maßnahmen in ähnlicher Form umgesetzt werden können, um die Start-up-Landschaft in Deutschland nachhaltig zu stärken.

Die Gruppe Deutsche Börse und Start-ups

Die Gruppe Deutsche Börse hat zur Förderung der Finanzierung von jungen Unternehmen 2015 das Deutsche Börse Venture Network® ins Leben gerufen.

Damit leistet die Deutsche Börse einen wesentlichen Beitrag zum Aufbau eines starken Ökosystems für Wachstum in Deutschland: Das Netzwerk erleichtert jungen aufstrebenden Unternehmen auch im vorbörslichen Bereich den Zugang zu Kapital und unterstützt damit Innovationen, die das Wachstum in Deutschland und Europa langfristig prägen können.

Zudem ist die Deutsche Börse durch ihren Venture Capital-Arm DB1 Ventures strategischer Partner für früh- und spätphasige Start-ups, die mit ihren Geschäftsmodellen unmittelbar oder angrenzend im Feld der Strategie der Deutschen Börse agieren und attraktive Umsetzrendite erzielen.

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